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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 139, 02.10.23

Sennalandet auf der Schwelle zum Winter

Anja:

Die Zeltnacht war überraschend warm und angenehm. Leider hat aber jede Nacht ein Ende… Und die Zeltmorgen sind meist ein gutes Stück weniger erfreulich als die Nächte. Heute ist keine Ausnahme. Alles ist klamm, kalt und feucht. Über Nacht hat sich ein feiner Flaum Schnee auf unsere Behausung gelegt.

Beim Zusammenräumen stosse ich einen unterdrückten Fluch aus. Meine Hände sind eiskalt und schmerzen. Ich weiss, dass sie aus diesem Zustand kaum mehr warm zu bekommen sind. Da nützen auch die dicken Handschuhe wenig. Ich bin dankbar für Mel‘s Einsatz - sie übernimmt den Löwenanteil des Zusammenpackens.


Das Wetter zeigt sich auch heute von der trüben Seite. Kurz nachdem wir losgegangen sind, beginnt es zu schneien. Bald schon fallen dicke Schneeflocken vom Himmel und färben das Sennalandet weiss. Eine tiefe Stille senkt sich über die Landschaft. Wir sind uns alle einig, dass wir Schneefall viel lieber mögen als Regengüsse.

Die Strecke bietet uns heute wenig Abwechslung. Wir folgen erneut der Strasse und weichen gelegentlich rücksichtslosen oder unaufmerksamen Autofahren aus. Jedesmal, wenn ein grosser Truck mit einer zierlichen jungen Frau am Steuer vorbei donnert, freuen wir uns. Entweder gibt es in Norwegen viel mehr Truckerinnen als in der Schweiz, oder ich verbringe zu Hause einfach zu wenig Zeit am Strassenrand…


Da es von Aussen nicht allzu viel Abwechslung gibt, sorgen wir selber dafür. Hörbücher, Musik, Gedankenkarussell… Ich verbringe zunächst mehrere Stunden damit, nach Möglichkeiten zu suchen, wie ich die verbleibenden Zeltnächte auf ein Minimum reduzieren kann. Schon vor Antritt unserer Reise war mir bewusst, dass ich aufhören muss, wenn der Winter kommt. Mit meiner Durchblutungsstörung bin ich weniger robust als der Durchschnittswanderer. Jetzt sind die winterlichen Temperaturen da, aber aufhören mag ich so kurz vor dem Ziel halt doch nicht… Irgendwann sehe ich ein, dass ich hier und jetzt keine Lösung finde. Also greife ich zu meinem Handy und lenke mich mit dem neusten Suter-Roman in Hörbuch-Fassung ab.


Im späteren Nachmittag taucht die Sennalandet Holzkapelle auf. Die hübsche Kirche steht mitten im Nirgendwo, in praktischer Nähe zu einem Fluss. Noch praktischer erscheint uns das Toilettenhäuschen neben der Kirche. Leider erweist sich dieses als abgeschlossen… Könnte ja jemand das Toilettenpapier klauen… Nun ja, wir haben unser eigenes dabei und stellen unsere Zelte in respektvollem Abstand zur Kapelle auf. So Gott will, werden wir heute gut schlafen.

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