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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 77, 01.08.23

Zurück in die Zivilisation


Anja:

Noch bevor ich die Augen öffne, ist mir klar: heute starten wir im Regen. Meine Motivation verkriecht sich tiefer in den Schlafsack. Mel scheint es gleich zu gehen; auch sie macht keine Anstalten, aufzustehen. Nachdem wir unsere Wecker eine halbe Stunde lang konsequent ignoriert haben, ringen wir uns dann doch noch durch und stehen auf. Das Packen der Rucksäcke fällt im Regen etwas mühseliger aus. Und das Abbauen des Zeltes macht im nassen Zustand auch nur bedingt Freude. Mel hat zudem das zweifelhafte Vergnügen, das nasse (und dadurch schwerere) Paket für den Rest des Tages rumzuschleppen.


Und der Tag hat es durchaus in sich… Zuerst liegen nochmals 7 weglose Kilometer vor uns, dann sollten wir für weitere 7 Kilometer auf einen Wanderweg treffen (von dem niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es ihn wirklich gibt). Zum Abschluss folgen anschliessend noch 12 Kilometer Strasse, die uns nach Sandvika bringen.


Kurz nachdem wir losgegangen sind, zeigt sich die Sonne. Wir wandern durch eine bergige Fjellgegend, die eine für uns Schweizerinnen kaum fassbare Weite hat. Dieses Land ist riesig und so viel einsamer als unsere Heimat, an die wir am heutigen Nationalfeiertag speziell stark denken. Wie wäre es jetzt, mit unseren Freunden und Familien zusammen zu sein und bei Cervelat und Chips mit waadtländer Weisswein auf den Geburtstag der Schweiz anzustossen? Stattdessen laufen wir durch die raue, wunderschöne Wildnis Norwegens. Was auf der digitalen Karte gar nicht so aufregend aussah, entpuppt sich in der Realität als eine (für uns) anspruchsvolle gebirgige Gegend mit tiefen Taleinschnitten. Die gelegentlichen kurzen Regenschauer tun das ihrige dazu, dass wir uns gut konzentrieren müssen für dieses vorerst letzte weglose Stück.

Als wir gegen Mittag am See Nessvatnet ankommen, sind wir bereits etwas müde, aber sehr glücklich. Ab hier soll es einen markierten DNT Wanderweg geben. Wir legen eine kurze Rast ein und machen uns dann auf die Suche nach dem richtigen Pfad (wie so oft im Leben 😇). Nach einigem Suchen werden wir fündig. Es dauert eine ganze Weile bis wir bemerken, dass dieser Weg nicht wie üblich mit roter Farbe, sondern mit aufgestellten Steinen markiert ist. Sobald man das realisiert hat, fällt das Erkennen des Pfades deutlich einfacher.

Wir kommen wieder viel zügiger voran. Das freut uns sehr, denn so werden wir früher in Sandvika bei der Pizza sein. Mittlerweile neigen sich unsere Vorräte drastisch dem Ende zu und wir sind beide ziemlich hungrig. So fantasieren wir beim Gehen von Pizza, Salat, Eiscreme und kühlen Getränken. Irgendwann kommt der grosse See Laksjøen in Sicht, an dessem gegenüber liegenden Ufer unser Tagesziel liegt. Nach 5 Tagen im Fjell ein herrlicher Anblick!

Und dann kommt es, wie es kommen muss: die Steinmarkierungen hören abrupt auf. Es gibt weder einen erkennbaren Pfad noch irgendwelche optische Hilfen. Und das genau jetzt, wo wir vom Fjell in eine sumpfige Gegend absteigen. Wir laufen konstant mit dem Handy in der Hand, um die Richtung nicht zu verlieren. Ich fluche laut; wer markiert denn bitteschön einen halben Trail und vergisst die zweite Hälfte komplett?! Auch Mel ist zunehmend genervt. Zum Glück lenkt uns eine kleine Rentierherde von unserem Frust ab.

Irgendwann wird es uns dennoch zu bunt. Mel zeichnet auf der digitalen Karte eine gerade Linie von unserem Standort bis zum Punkt, an dem wir auf die Forststrasse gelangen sollten. Und dieser Linie folgen wir nun ohne Rücksicht auf Verluste. Wir schlagen uns durchs Unterholz, steigen durch Bäche und hüfthohes Gras. Als wir bei den angepeilten Häusern ankommen, klatschen wir ab und lachen laut. Was für ein Trip!

Mittlerweile gehen wir beide ziemlich auf dem Zahnfleisch:

Als wir dann aber hören, dass definitiv ein warmes Abendessen auf uns wartet, sind wir kaum wiederzukennen:

Die 12 Kilometer Strasse laufen wir bei Sonnenschein in einem flotten Tempo. Erschöpft und sehr glücklich kommen wir in Sandvika an und steuern sofort auf die Tankstelle mit Restaurant und Verkaufsladen zu. Mel‘s Gesichtsausdruck dürfte alles sagen:

Pappsatt suchen wir uns anschliessend einen ruhigen Platz für unser Zelt . Nach einer Katzenwäsche schlafen wir zufrieden und vielleicht auch ein bisschen stolz ein.



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mkettler
mkettler
02 de ago. de 2023

Gratuliere euch beiden ganz herzlich zu eurer ersten "richtigen" Expedition in den Weiten Norges😍 Das habt ihr echt super gemacht und ihr dürft mehr als stolz darauf sein! Auch mich hat das Blåfjela geschlaucht und die letzten Kilometer sind mir genau wie bei euch in eindeutiger Erinnerung😂

God tur vidare kjære Anja og Mel!

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