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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 53, 08.07.23

Herrin der Fliegen

Anja:

Mein Tag startet entspannt mit einer heissen Dusche und dem reichhaltigen Frühstücksbuffet des Tynset Hotels. Leider geht es Mel noch nicht besser. Deswegen wird sie gegen Mittag mit dem Zug direkt nach Røros fahren und sich da in einem Hotel erholen. Ich gehe zu Fuss weiter und werde dann in 3 Tagen ebenfalls in Røros eintreffen. Bevor sich unsere Wege trennen, gehen wir gemeinsam zum Campingplatz rüber und bauen das Zelt ab. Mel nimmt ihren Schlafsack und die Isomatte mit, ich das Zelt. Dieses werde ich in den nächsten Nächten brauchen. Anschliessend machen wir noch einen kurzen Abstecher in den Supermarkt unseres Vertrauens. Während Mel Taschentücher braucht, fehlt mir noch etwas Weniges an Verpflegung für die kommenden Tage.


Und dann ist es so weit: nach einer Umarmung ziehe ich alleine los. Der Weg steigt gleich zu Beginn ordentlich an, so dass ich innert Kürze schweissnass bin. Ich werfe einen Blick über meine Schulter und erblicke die Dächer Tynsets, die in der Sonne glänzen. Da ich offenbar auf einem Pilgerweg unterwegs bin, gestaltet sich die Wegfindung einfach.

Leider sind auf dem Pilgerweg die biblischen Plagen nicht fern... Stechfliegen. Sie umschwirren mich mit jedem Meter mehr. Bald kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich bitte sie höflich, etwas Abstand zu halten und schimpfe dann lautstark mit ihnen. Hilft beides nichts... Das einzige, was Wirkung zeigt, sind meine Wanderstöcke. Wenn ich diese mit hohem Tempo wie Twirling-Stäbe neben meinem Kopf schwinge, habe ich wenigstens etwas Ruhe. Das einzige Problem: meine untrainierten Arme halten das kaum 10 min am Stück durch. Wenn mich jetzt jemand sehen könnte, würde er oder sie sicher denken, ich hätte einen krankhaften Tick. Damit ihr euch die Plage vorstellen könnt, habe ich versucht, ein Foto von meiner Mütze zu machen (und diesmal mit realistischem Gesichtsausdruck 😉). Zudem zwei Mini-Videos:

Aufgrund meiner spontanen Routenänderung stehen jetzt 7 Strassenkilometer an. Zudem waren die schweisstreibenden Höhenmeter umsonst. Aber das ist mir komplett egal: Hauptsache Frieden! Um meine erfolgreiche Flucht gebührend zu feiern, gönne ich mir eine Ladung Schweizer Musik. Ich bin so euphorisch, dass ich inbrünstig laut mitsinge. So schallt jetzt "Heiterefahne" durch die norwegische Landschaft. Aktuell ist es mir komplett egal, ob mich jemand hört. Mein Spass geht gerade vor.

Schneller als erwartet komme ich beim Kvennan Camping an. Die Rezeption ist noch geschlossen bis 18.00 Uhr, deswegen suche ich mir schon mal ein schönes Plätzchen für mein Zelt. Während ich dieses aufstelle, nehme ich aus dem Augenwinkel ein Basler-Kennzeichen wahr. Basel-LAND! Dabei werde ich gewahr, dass ich seit meiner Ankunft in Norwegen noch mit keinen Schweizern gesprochen habe (Mel natürlich ausgenommen ;)). Da waren schlicht keine Schweizer bisher...


Vielleicht liegt es an meinem "Schweizer-Entzug", dass ich den Mann, der mir nun vom BL-Wohnmobil entgegengekommt, spontan anspreche. Schnell kommen wir ins Gespräch. Andi ist mir auf Anhieb sympathisch. Und nachdem er mich auf ein kühles Bier einlädt, gleich noch mehr. Ich träume bereits seit zwei Stunden von einem Bier (Kleine Randnotiz für alle, die mich nur als Weintrinkerin kennen: es gibt Dinge, die sich auf so einer langen Tour ändern...). Und so setze ich mich zu Andi und seiner Partnerin Sandra, sowie ihren Freunden Fritz und Elvira. Ich fühle mich vom ersten Moment an rundum wohl in dieser Gesellschaft. Wir reden, lachen und unterhalten uns einfach bestens. Die beiden Männer können fast nicht fassen, dass jemand freiwillig so weit läuft. Sie sind beide Chauffeure und daher eher im LKW als in den Wanderschuhen zu Hause.


Ich komme spontan in den Genuss einer feinen Rösti mit Spiegeleiern und Salat. Einfach köstlich. Als es zum Dessert Fruchtsalat mit Schlagrahm und frisch gemahlenem Kaffee gibt, wähne ich mich endgültig im Paradies.

So anstrengend der Tag war, so schön ist der Abend. Ich geniesse die Gespräche und die Gastfreundschaft. Als es schliesslich Zeit ist fürs Bett, krieche ich mit einem wohlig zufriedenen Gefühl in meinen Schlafsack. An diesen wunderbaren Abend werde ich noch lange zurückdenken.


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