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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 44, 29.06.23, Anja

Historischer Waffeltag

Heute bin ich früh auf den Beinen. Nach dem gestrigen Traumtag soll das Wetter heute umschlagen. Und tatsächlich! Während ich meine zwei Scheiben Knäckebrot esse und den schwarzen Kaffee geniesse, fallen einzelne Tropfen. Der Himmel scheint es aber nicht allzu ernst zu meinen. Bis mein Rucksack fertig gepackt ist, sind auch die anderen Übernachtunsgäste wach. Nach einem herzlichen Abschied gehe ich daher vorerst ohne Regenjacke in den Morgen hinaus.

Ich bin nicht die einzige, die den friedlich Morgen geniesst. Mit mir sind Tausende von Mücken unterwegs. Ich habe keine Ahnung, wo diese Plagegeister den Flugschein gemacht haben... Sie fliegen mir in die Ohren, die Augen, die Nase. Jetzt ist definitiv ein guter Moment, mal den Mund zu halten!


Mit dem bedecken Himmel präsentiert sich die Landschaft heute ganz anders als gestern. Auch wenn mir die Stimmung mit blauem Himmel noch besser gefallen hat, ist es auch heute ausgesprochen schön. Da ich bei jedem Fotostopp von der norwegischen Luftwaffe im Miniformat angegriffen werde, fällt mein Fotoalbum dennoch etwas weniger umfangreich aus.

Irgendwann wird es mir zu bunt und ich klaube das Mückennetz hervor. Jetzt sehe ich die Welt zwar etwas kleinkariert, habe aber wenigstens meinen Frieden.

Gegen Mittag habe ich den Wanderweg- und Fjellteil der heutigen Etappe abgeschlossen. Das passt mir ganz gut. Falls der angekündigte Regen jetzt eintrifft, bin ich nicht mehr auf sumpfigen Pfaden, sondern auf Schotterstrassen unterwegs. Das erhöht auch meine Chancen, in einem einigermassen annehmbaren Zustand im Dalseter Fjellhotel einzutreffen. Da habe ich für heute Nacht ein Zimmer gebucht.

Vorerst sieht es aber nicht nach Regen aus. Ganz im Gegenteil! Die Wolkendecke reisst auf und es wird richtig heiss. Gerade als sich mein Hunger meldet, komme ich bei einer verlassenen Statskog Hütte an. Ich befreie meinen Rucksack von der Regenhülle und nehme stattdessen Sonnenbrille und -crème hervor. Zur Sicherheit sprühe ich zudem nochmals eine grosszügige Schicht Mückenspray auf jeden Zentimeter freiliegender Haut. Während ich meine Nussmischung knabbere, studiere ich die Karte für die restlichen Kilometer. Ich kann entweder der Strasse entlang laufen; dann bin ich in 3 km am Ziel. Oder ich gehe einen kleinen Umweg. Dann ist die Strecke zwar doppelt so lange, aber wohl auch doppelt so schön. Ich entscheide mich für Option 2.


Kaum bin ich wieder unterwegs, stehe ich vor dem Espedalen Fjellhotel. Die haben doch tatsächlich Tische mit Sonnenschirmen aufgestellt. Zudem wirbt eine Tafel für Kaffee und Waffeln! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Seit nunmehr 7 Wochen bin ich in Norwegen unterwegs und habe noch kein einziges Mal Waffeln gegessen. Eine wahre Sünde! Also schnell rein ins Fjellhotel und Waffeln bestellen. Eine nette Frau mit strahlenden Augen nimmt meine Bestellung entgegen und 5 Minuten später sitze ich selig vor meinen ersten Norwegischen Waffeln. Paradiesisch!


Als sie mir Kaffee nachschenkt, komme ich mit der Frau ins Gespräch. Sie fragt nach unserer Tour und natürlich komme ich ins Schwärmen; mir geht's ja auch glänzend! Wir unterhalten uns wunderbar. Nachdem sie kurz im Innern des Restaurants verschwunden ist, kommt sie sogleich wieder mit Schokolade, Gummibärchen und Salznüssen zurück. Sie sieht mich mit diesen gütigen Augen an und sagt, sie schenke mir diese Sachen. Sie möchte mich unterstützen. Tief gerührt bedanke ich mich. Zum Abschied umarmt sie mich wie eine alte Freundin. Ich fühle mich reich beschenkt von dieser Begegnung.

In friedvoller Stimmung gehe ich weiter. Ich denke über den Satz nach, der auf dem Arm der Frau eintätowiert war: "everything is meant to be". Alles soll sein. Alles hat seine Richtigkeit. Wie häufig hadern wir, mit dem was ist. Hätte ich doch... Könnte ich nur... Was, wenn bereits alles gut ist, so wie es jetzt ist?


Meine philosophischen Gedanken tragen mich die letzten Höhenmeter nach Dalseter hoch. Ich checke im imposanten Hotel ein und beziehe ein Zimmer mit grandioser Aussicht über den See. Kaum bin ich richtig angekommen, trifft der prognostizierte Regen ein. Es schüttet in Strömen. Frisch geduscht beobachte ich das Spektakel durchs Fenster und esse ein paar Gummibärchen. Meine Welt ist gerade richtig rund.


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3 kommentarer

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Mia Holzfass
Mia Holzfass
30 juni 2023
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Über die Mückenplage habe ich in den anderen Blogs auch schon gelesen. Ohje. Mein Gepäck habe ich daher um ein Fläschchen Nobite Kleidung ergänzt.

Gilla

sylviarueegg
30 juni 2023
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Dein Beitrag rührt zu Tränen😄

Gilla

mkettler
mkettler
30 juni 2023
Betygsatt till 5 av 5 stjärnor.

"Alt skal være" ......genau so isches🍀👍😘

Gilla
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