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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 40, 25.06.23, Anja

Aktualisiert: 26. Juni 2023

Trail Magic

Anja:

Mein erster Gedanke beim Aufwachen ist: "Wo werde ich heute Nacht schlafen?". Gestern war ich hin- und hergerissen, ob ich unser geräumiges 3-Personenzelt mitnehmen soll oder nicht. Es ist viel zu gross für eine Person (wir nennen es liebevoll "die Turnhalle") und auf das Extragewicht würde ich noch so gern verzichten. Nur bietet es eben auch Sicherheit. Ohne Zelt muss ich mich exakt an meine Routenplanung halten und die eingeplanten Kilometer laufen - egal, was der Tag bringt. Nach langem Überlegen und Brüten über der Karte hatte ich schlussendlich beschlossen, das Wagnis einzugehen und 6 Tage ohne Zelt zu wandern.


Während an allen folgenden Abenden entweder eine DNT Hütte oder eine andere Unterkunft vorhanden ist, habe ich ausgerechnet für die erste Nacht keine Lösung. Zwar gibt es am Ende der Etappe zwei Fjellhotels, aber die sind beide nicht erreichbar und scheinen geschlossen zu sein. Soll ich meinen Schlafsack einfach vor einer leer stehenden Hütte ausrollen?


Während diese Gedanken durch meinen Kopf ziehen, geniesse ich ein vorerst letztes Frühstück mit Mel und Travis auf der Veranda unserer Hütte auf dem Campingplatz. Anschliessend packen wir alles zusammen und checken aus. Mel und Travis werden nachher nach Oslo reisen, ich werde mich alleine auf den Weg in den Langsua Nationalpark machen. Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses überbrücken wir am Wasser. Es kann nicht schaden, wenn Travis etwas ausgepowert ist vor der langen Fahrt.

Während Mel Travis beim Auspowern hilft, versuche ich erneut, das Fjellhotel Nythun zu erreichen. Es würde mich wirklich immens beruhigen, wenn ich wüsste, dass ich heute ein Dach über dem Kopf habe... Und siehe da: ich habe Glück! Eine freundliche Frauenstimme erklärt mir, das Hotel wäre zwar geschlossen, ich könne aber trotzdem dort übernachten. Sie würden dann morgen gegen die Mittagszeit ebenfalls wieder vor Ort sein. Ich bedanke mich überschwänglich. Welch eine Erleichterung!


Nachdem ich Mel und Travis zum Bus begleitet habe (mehr davon dann in Mel's Beitrag), schultere ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Es liegen zwar nur 12 km vor mir, aber diese verlaufen an der Strasse und gehen stetig bergauf. Es ist 12 Uhr Mittags und die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. Nachdem wir heute bereits zweimal viel Glück gehabt haben (wie gesagt, Mel schreibt auch noch einen Beitrag 😉), kümmert mich das aber wenig. Ich bin frohen Mutes und bestens gelaunt. Bald schon bieten sich mir wunderbare Ausblicke zurück nach Leira und Fagernes:

In einer schattigen Einfahrt mache ich eine kurze Trinkpause. Ein Wagen fährt vorbei und legt dann gleich den Retourgang ein. Will mir hier vielleicht jemand eine Mitfahrgelegenheit anbieten? Aber nein... Ich entdecke den Schriftzug Nythun auf dem Wagen. Das sind die netten Leute, die mich heute im geschlossenen Hotel übernachten lassen! Das Fenster wird heruntergekurbelt und zwei fröhliche Gesichter erscheinen. Sie gehören Jørn und Marit, den Eigentümern von Nythun. Wir plaudern kurz miteinander, ich bezahle den Preis für die Übernachtung unkompliziert bar durchs Autofenster und bedanke mich nochmals herzlich für ihr Entgegenkommen. Wenn das mal keine Trail Magie vom Feinsten ist!


Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht gehe ich weiter. Mit jedem Schritt werde ich glücklicher. So vieles hat sich heute gefügt. Ein Rest Anspannung bleibt, da Mel eine nicht ganz einfache Rückreise vor sich hat. Diese Anspannung wird wohl erst am Mittwochmorgen ganz von mir abfallen. Dann, wenn Mel und Travis sicher im Flugzeug nach Zürich sitzen. Während ich meinen Gedanken nachhänge, schiele ich immer wieder aufs inReach. Heute werde ich die 500 km Marke überschreiten. Als es soweit ist, bastle ich ein kleines Kunstwerk am Strassenrand und schreibe eine freudige Nachricht an Mel.

Mit vielen Ups und Downs sind wir so weit gekommen. Wahnsinn! Ich fühle mich gesegnet, auf Tour sein zu dürfen.


Von hier sind es nur noch gute 3 Kilometer bis Nythun. Dort angekommen, werde ich von Gunnhild, der Lehrtochter, herzlich in Empfang genommen. Nach einer erfrischenden Dusche setze ich mich auf die sonnige Veranda. Gunnhild gesellt sich zu mir und wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag/Abend mit spannenden Gesprächen. Zwischenzeitlich setzt sich auch die Mutter von Jørn zu uns, die gerade zu Besuch ist. Welch nette Gesellschaft!

Zum Abschluss erhalte ich sogar noch eine Führung durch das wunderschöne Haus. Sogar der König und die Königin waren hier schon zu Gast. An Ort und Stelle fasse ich den Entschluss, irgendwann gemeinsam mit Martin hierher zurückzukommen.

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4 Comments

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carlrosenast
Jun 26, 2023

Hallo Anja

Super Sache, dein Trip. Bewundere deine Energie, Kraft und Ausdauer - und Mut.

Scheint fast so, dass die Rosenast-Gene überhand genommen haben.

Liebe Grüsse von deine Lieblingsonkel.

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anja.schoenbaechler
anja.schoenbaechler
Jun 26, 2023
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Hallo Lieblingsonkel

Herzlichen Dank für den Kommentar, der mich besonders freut, weil er von dir kommt! Ich weiss nicht genau, welche Gene hier verantwortlich sind, aber es ist letztlich egal. Hauptsache, ich bin auf Tour und lebe diesen Traum. Ich kann‘s nur empfehlen! Herzliche Grüsse aus Svarthamar

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sylviarueegg
Jun 26, 2023
Rated 5 out of 5 stars.

Hallo Anja,

das Glück hast du dir verdient.

Ich bewundere deinen Mut alleine weiterzuwandern🤞🍀und wünsche dir noch viele nette Begegnungen mit netten Menschen.

Weiter so✊


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anja.schoenbaechler
anja.schoenbaechler
Jun 26, 2023
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Hoi Sylvia

Vielen Dank für die lieben Worte. Es sind tatsächlich die Begegnungen mit netten Menschen, die unsere Tour auf unerwartete Weise bereichern und zusätzlich spannend machen. Und natürlich sind die glücklichen Fügungen immer eine spezielle Freude 🍀🌟

Ganz liebi Grüess

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