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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 13, 29.05.23

Frustrierte Tränen



Anja:

Die Nacht war erholsam und so sieht die Welt heute Morgen wieder etwas freundlicher aus. Gestern Abend im Zelt haben wir in unserer App noch nach Alternativen gesucht, wie wir über den Fluss kommen könnten. Eine Stelle scheint uns besonders verheissungsvoll, so dass Mel und ich nach dem Frühstück vorerst ohne Travis und Rucksäcke losziehen, um die Stelle zu begutachten. Das treffen wir an:



Der Fluss ist zwar breit und hat eine gewisse Fliessgeschwindigkeit, aber er ist nicht allzu tief. Das Wasser würde mir vielleicht bis zur Taille reichen. Zumindest in der vorderen Hälfte des Flusses, nachher könnte es tiefer sein… Wir schauen uns an und beschliessen, es zu wagen. Also zurück zum Lagerplatz, alles aufräumen und wasserfest verpacken. Da wir hier keinen Handyempfang haben, kopple ich mein Handy mit dem Garmin inReach. Dank Satellitentechnologie können wir so auch Nachrichten versenden, wenn wir in Gebieten ohne Empfang sind. Ich kontaktiere unseren Telefonjoker, Martin. Mein Freund ist vor einigen Jahren selbst durch ganz Norwegen gelaufen und kennt sich bestens aus. Seine Meinung ist uns daher besonders wichtig. Er sieht sich unser Dilemma an und meldet zurück, dass wir es versuchen können. Alternativ dem Gewässer entlang weiter gehen und nach anderen Optionen Ausschau halten.



Unser Entschluss steht: wir versuchen es! Als wir gemeinsam mit Travis zum Fluss zurückkehren, ist er hell begeistert von unserem Abenteuer, Mel und ich sind angespannt. Mel watet als Erste ins Wasser, ich folge ihr. Kalte Fluten umschliessen uns. Bereits nach wenigen Schritten steht Mel bis zur Hüfte im Wasser. Noch zwei Schritte weiter, dann ruft sie: „Geht nicht, umkehren!“. Leicht erschrocken kehre ich ans Ufer zurück. Mel folgt und sagt, dass sie gespürt hat, wie das Wasser sie mitzureissen drohte. So macht das keinen Sinn; es ist uns zu gefährlich. Tropfnass machen wir uns an die Umsetzung von Plan B: wir werden nun südwärts gehen und einen weiteren See umrunden. Am Ende des Sees gibt es evtl die Möglichkeit, über den Fluss zu kommen. Das weglose Gelände ist relativ flach und nicht allzu stark bewachsen. Wir kommen einigermassen gut voran. Als wir am Ende des Sees ankommen, folgt dann die Ernüchterung:



Auch hier haben wir keine Chance. Somit bleibt uns jetzt noch eine dritte Möglichkeit  einen weiteren See entlang laufen und am Ende dann (hoffentlich) zur anderen Seite gelangen. Uns ist klar, dass diese Aktion den ganzen Tag in Anspruch nehmen wird. Zumal das Gelände jetzt deutlich steiler wird und der Wald dichter. Ich gehe voran und habe Mühe, überhaupt einen Weg zu finden. Frustrierte Tränen laufen mir übers Gesicht. So ein fertiger Sch…! Hinter mir höre ich Mel immer wieder Kommandos rufen und zuweilen auch schreien. Diese gelten nicht mir, sondern Travis. Er hat in diesem schwierigen Gelände deutlich weniger Schwierigkeiten als wir und versteht unsere Verzweiflung überhaupt nicht.



Wir kommen nun so gut wie überhaupt nicht mehr voran. Gegen 16.00 Uhr beschliessen wir, eine Pause einzulegen. Entkräftet sitzen wir nebeneinander und nun fliessen auch bei Mel einige Tränen. Zum Glück ist Martin via inReach für uns erreichbar. Was würde ich ohne diesen Mann tun ❤️. Er muntert uns auf und empfiehlt uns, auf einen nahegelegenen Pfad aufzusteigen und diesem südwärts zu folgen. So kommen wir aus der Gegend raus. Allerdings bringt uns der Pfad zurück in das Tal, welches wir gestern Morgen verlassen haben. Wir würden also im Kreis laufen und unsere geplante Route würde unmöglich…


Nach kurzer Diskussion beschliessen wir, Martins Rat zu folgen. Es ist das Vernünftigste, was wir jetzt tun können. Mit der Entscheidung fühle ich mich augenblicklich leichter und besser. Wir finden den Pfad rasch und zu unserer grossen Überraschung ist dieser auch tatsächlich sichtbar (zumindest streckenweise 😉).



So kommen wir nun endlich wieder ein bisschen vorwärts und nach knapp 3 km finden wir eine geeignete Stelle für unser Nachtlager. Insgesamt haben wir heute gerade mal 5 km geschafft. Morgen werden wir den restlichen Abstieg in Angriff nehmen.



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3 Comments

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Fee
Fee
May 31, 2023
Rated 5 out of 5 stars.

❤️❤️❤️❤️ fühlt euch ganz feste gedrückt. Es liest sich wirklich wie ein Krimi, gut sind ihr nicht irgendwelche Risikos eingegangen.

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Unknown member
May 30, 2023

Hey ihr liebe

Uiiii, nur scho zum läsä en wahre Krimi 🙈! Ihr drü machet das super… bestimmt findet ihr irgendwo wieder en andere Weg 👍🏼!!

Hebet Sorg, grosse Knuddel

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Travis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler
Travis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler
May 31, 2023
Replying to

Es isch würkli fascht wienen Krimi gsi - zum Glück ohni Opfer 🍀. Jetzt simmer halt vorläufig zrugg uf dä Strass und somit i sichere Gefilde ☺️🙏

Grosse Knuddel

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