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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 128, 21.09.23

Im tiefsten Winter

Anja:

Die Nacht war nicht gut - für keine von uns dreien. Zum einen war es ziemlich heiss in unserer Hütte, und zum anderen waren unsere beiden netten Mitbewohnerinnen nachtaktiv und haben reichlich Radau gemacht. Entsprechend müde sitzen wir um 06.00 Uhr am Frühstückstisch.


Als wir mit gepackten Rucksäcken vor der Türe stehen, verfliegt die Müdigkeit schnell. Nach dem gestrigen Schneesturm zeigt sich das Wetter heute von der schönsten Seite. Der Morgen ist klirrend kalt und klar. Würde ich nicht zwei Paar Handschuhe tragen, hätte ich wohl unzählige Fotos gemacht.

Da der Boden gefroren ist und auch etwas Schnee liegt, kommen wir heute deutlich langsamer voran als noch vorgestern. Es geht bereits gegen den Mittag zu, als wir Pitsusjärvi erreichen. In dieser finnische Hütte wollen wir unsere Mittagspause verbringen und uns aufwärmen. Kurz nach uns kommt eine 4-köpfige litauische Familie an. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat die Familie gestern während des Schneesturms tatsächlich den Halti bestiegen. Diese Leute sind hart im Nehmen.

Wir sind mittlerweile auch etwas abgehärtet und wagen uns nach der Aufwärmpause wieder an die Kälte. Es warten weitere 12 Kilometer auf uns. Der Weg führt uns über eine karge Hochebene, von der wir aufgrund des mittlerweile trüberen Wetters nur wenig zu sehen bekommen. Während Mel und Sandra in ihre Hörbücher vertieft sind, hänge ich meinen Gedanken nach. Es war mir von Anfang an bewusst, dass die Kälte der ausschlaggebende Faktor sein könnte, weshalb ich es nicht bis ganz zum Nordkap schaffe. Wenn ich jetzt so um mich schaue und die Winterlandschaft sehe, die klirrende Kälte fühle, den eisigen Wind im Gesicht spüre, weiss ich nicht, wie lange das noch gut geht. Zur Zeit gibt es noch Hütten, in die wir uns flüchten können. Weiter oben bleibt nur noch das Zelt. Ich suche in meinem Innern nach Antworten. Würde ich zufrieden sein und mit Stolz auf das Erreichte schauen, wenn wir in Kautokeino ankommen und die Tour da beenden müssten? Oder würden Enttäuschung und Frust überwiegen, es nicht bis zum Nordkap geschafft zu haben?

Später als erhofft kommt die kleine Kopmajoki Hütte in Sicht. Dies ist die letzte  Rasthütte auf finnischem Boden. Obwohl unser Tagesziel nur noch 3 km entfernt ist, setzen wir uns für eine Pause in die kleine, rustikale Hütte. So richtig warm ist diese nicht, aber wir sind dankbar, für einen Augenblick vor dem Wind geschützt zu sein.


Die letzten Kilometer zur etwas in die Jahre gekommenen Somashytta sind schnell gelaufen. Wir finden die Hütte verlassen und sehr kalt vor. Deswegen kümmert sich Mel bei Ankunft sofort ums Feuer. Sandra und ich gehen derzeit Wasser holen am nahegelegenen Fluss. Diesen werden wir morgen zum Auftakt in den Wandertag als erstes durchwaten müssen. Heute kümmert uns dies noch nicht; wir wollen jetzt nur noch rein in die Hütte und uns aufwärmen.


Nach dem Essen lancieren wir die Diskussion um die weitere Routenwahl. Sollen wir es wagen und bei mittelprächtigen Prognosen und Schnee ins Nábár hochsteigen? Oder beissen wir in den sauren Apfel und nehmen den Umweg über Kautokeino in Kauf, der uns 120 Strassenkilometer beschert? Die Meinungen gehen auseinander und so richtig glücklich wird heute Abend keine von uns dreien mehr. Irgendwann beenden wir das Gespräch und gehen zu Bett. Manchmal geschehen ja auch Wunder im Schlaf. Das hat die Geschichte von Dornröschen eindrücklich bewiesen… ;)

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