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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 126, 19.09.23

Finnische Kälte

Anja:

Ich sitze am Frühstückstisch und das erste Mal auf Tour fühle ich einen inneren Widerstand gegen das Weitergehen. Der Pausentag in Kilpisjärvi war viel zu schnell vorbei. Mit Wäsche waschen, Einkäufen erledigen (mehreren…), Blog updaten, Nachrichten beantworten und viel Essen flog die Zeit nur so vorbei. Und jetzt sitze ich hier und würde am liebsten bleiben. Aber natürlich werde ich weitergehen. Sobald ich zurück auf dem Trail bin, werden diese Gedanken von selbst verschwinden. Die nächste Etappe führt uns in 7-8 Tagen nach Alta. Wenn das Wetter mitspielt, werden 4 Tage davon weglos durchs Reisadalen und über die Nábár-Hochebene führen. Das letzte grosse Abenteuer auf Tour. Nach Alta warten hauptsächlich noch „Fleiss-Kilometer“ auf uns.


Das Wetter passt zu meiner aktuellen Motivationslage. Es ist grau und trüb, Regen liegt in der Luft. Wir verabschieden uns von Amos, ein wenig wehmütig nach der tollen Zeit, die wir als 4er-WG verbracht haben. Und dann sind wir wieder auf Tour. Wir folgen heute dem sogenannten Halti-Highway. Der breite, ausgetretene Pfad dient als Zubringer zum höchsten Berg Finnlands (dessen Spitze allerdings auf norwegischem Boden liegt…). Jeder Finne, der etwas auf sich hält, besteigt den Halti mindestens einmal im Leben. Entsprechend besteht hier keine Gefahr, zu vereinsamen oder den Weg zu verlieren.

Zu Beginn führt der Trail bergan zu einem See. Anschliessend gewinnen wir stetig sanft an Höhe und laufen durch eine karge Berglandschaft. Es weht ein kalter Wind und während unserer ersten Kurzpause fallen die ersten Regentropfen. Oder ist das Schnee? Graupel? Obwohl ich zwei Paar Handschuhe trage, werden meine Hände mit jedem Meter kälter. Nicht gut… Glücklicherweise werden wir nach 12 Kilometern zu einer Hütte kommen. Da können wir uns aufwärmen.

Wir erreichen die Hütte kurz vor Mittag. Ich bin erleichtert, aus der Kälte rauszukommen. Die Hütte ist sehr geräumig und so spartanisch eingerichtet, wie es dem finnischen Standard entspricht.

Hier treffen wir auf zwei junge finnische Frauen, die soeben am Aufbrechen sind. Sie werden in die gleiche Richtung laufen wie wir; bestimmt kreuzen sich unsere Wege später erneut. Wie wir von ihnen erfahren, bietet unser heutiges Tagesziel gerade mal 5 Schlafplätze. Das könnte eng werden. Anders als in Norwegen ist die Wandersaison hier noch in vollem Gange. Visionen von komplett überfüllten Hütten geistern vor meinem inneren Auge rum.


Nach einer heissen Suppe ziehe ich wärmere Kleider an. Es liegen weitere 18 Kilometer vor uns. Diese möchte ich nicht schlotternd durchleiden. Bereits nach kurzer Zeit an der frischen Luft bin ich sehr zufrieden mit meiner Wahl. Jetzt passt alles und ich kann die Tour auch geniessen. Zumindest bis der Schneefall einsetzt… Der starke Wind weht uns den Schnee waagrecht ins Gesicht. Das fühlt sich an wie kleine Nadelstiche. Wir ziehen die Kappen tiefer ins Gesicht und kämpfen uns weiter. Wir sind alle froh, als wir hinter einem Hügel die nächste Hütte entdecken. Hier planen wir eine längere Pause.

Bei unserer Ankunft sind lediglich zwei andere Frauen vor Ort. Auch sie legen hier eine Rast ein und wollen dann weiter. Kaum ist unser Essen zubereitet, geht die Tür erneut auf. Eine Gruppe von 11 Frauen drängt in den engen Raum. Das Geschnatter von zahlreichen Stimmen füllt die Luft. Das dürfte heiter werden heute Nacht. Ich bin heilfroh, nicht hier bleiben zu müssen. Nach der Ruhe der norwegischen Hütten sind mir die Aufregung und der Lärm zu viel.


Auch Mel und Sandra sind sichtlich froh, wieder wegzukommen. Wir nehmen die letzten 9 Kilometer unter die Füsse. Mittlerweile hat es aufgehört zu schneien und die Sichtverhältnisse sind besser geworden. Kalt ist es noch immer, wie Mel‘s Video zeigt:

Als wir in der kleinen Hütte Meekonjärvi ankommen, wartet eine Überraschung auf uns: die Hütte ist komplett leer! Ein paar Meter von der Hütte entfernt steht ein einsames Zelt; sonst ist nichts zu entdecken, was auf weitere Gäste schliessen liesse. Wir freuen uns riesig und nehmen die Hütte in Beschlag. Als eine gute Stunde später zwei bekannte Gesichter vor dem Fenster auftauchen, sind wir nur minim enttäuscht. Es sind die beiden netten Frauen von heute Mittag. Ihnen machen wir gerne Platz.

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