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  • AutorenbildTravis, Anja & Mel Schwendemann & Schönbächler

Tag 103, 27.08.23

Weitsichten

Als ich meine Augen öffne bemerke ich, dass auf meinem Schlafsack kleine Wassertropfen sind. Die Nacht war auch kalt und mein Atem hat wohl für diese Tropfen gesorgt. Zum Glück habe ich meine Kleidung immer neben der Matte liegen, so kann ich diese gleich schnappen und in den warmen Schlafsack legen. Bis der Snooze-Timer abgeht, sind die Kleider etwas angewärmt, was deutlich angenehmer ist als sie so eiskalt anzuziehen.


Die Sonne hat unseren Zeltplatz noch nicht erreicht, daher gibt es warm eingepackt eine heisse Schokolade für mich. Da alles vom Morgentau nass ist, frühstücken wir stehend vor unseren Zelten.


Trotzdem dass die Sonne die Zelte und uns bald erwärmt, werden die Zelte nicht trocken, also gilt es heute die Zelte nass zusammen zu packen.


Da wir gestern gut drei Kilometer vor der Fjällstuga Stáloluokta unser Lager aufgeschlagen haben, sind wir bereits um 09.00 Uhr bei dieser angekommen. Hier bietet sich uns eine Traumsicht.

Obwohl wir von Martin bereits vorgewarnt wurden, sind wir doch etwas überrascht, als wir den offiziellen Helikopterflugplatz entdecken. Es gibt doch tatsächlich einen täglichen Flugplan. Vielleicht muss man in diesem Kontext wissen, dass im Padjelanta Nationalpark die höchsten Naturschutzbestimmungen gelten. Die Flüge stören aber garantiert die Tierwelt und gerade umweltfreundlich sind diese Helikopterflüge auch nicht.

Wir nutzen die grosse Gepäckwaage. Ich bin dabei sehr überrascht, dass mein Rucksack ganze 16 Kilogramm wiegt. Naja, wir tragen auch viel Essen für die nächsten Tage mit uns. Das erklärt jedoch, warum die Aufstiege die letzten Tage so anstrengend waren.


Von der Fjällstuga sind wir ganz schnell in Árasluokta angekommen. Der Weg dahin ist gut zu gehen und mit kleineren und grösseren Höhendifferenzen gut zu bewältigen.

In Árasluokta gibt es einen kleinen Laden (ein Trost, da der Kiosk in der Fjällstuga Stáloluokta geschlossen war). Hier stehen auf ein paar Regalbrettern ein paar wenige Dinge, die die anwesende ältere Sami-Dame verkauft. Man darf sich also keinen Laden vorstellen wie wir ihn kennen. Besonders „bewerben“ tut sie den geräucherten Fisch und das frisch gebackene Brot (Fladenbrot). Für uns stellt sich nicht die Frage, ob wir was kaufen, schliesslich wollen wir die Sami etwas unterstützen. Daher sitzen wir kurze Zeit später am Picknick-Tisch in der Sonne und geniessen die zwei gekauften Fladenbrote, mit einem geräuchertem Fisch und Rentierfleisch. Hmmm fein!

Was allgemein auffällt ist, dass es immer mehr Planken hat. Es hat sogar dort welche wo es gar keinen Sumpf gibt… aber da will ich mich nicht beschweren, es läuft sich sehr gut auf diesen Wander-Highways.

Die Wege sind hier klar mehr frequentiert, man sieht es an den klar ausgetretenen Pfaden und an den vielen Wanderstock-Abdrücken. Immer wenn man an eine etwas steilere Stelle kommt oder schwierige Passagen, ist der Boden links und rechts mit Löchern versehen.

Wir passieren das älteste Gestein Schwedens, (Stromatolitae) es soll der Ursprung des Lebens gewesen und ein versteinerte Koralle sein. Das Gestein sieht aus, als ob ein Steinbildhauer angefangen hätte zu arbeiten, dann jedoch einfach aufgehört hätte. Je nach Winkel können wir verschiedene Szenarien erkennen…

Beim Abstieg zur Låddejåhkå bietet sich uns eine traumhafte Sicht auf das Sarek-Gebirge, einem benachbarten Nationalpark. Später am Abend werden wir erfahren, dass heute der erste Tag seit über zwei Wochen ist, an dem man das Gebirge überhaupt ohne Wolkenvorhang sieht.

Auf dem Bergkamm auf dem wir gehen, befinden sich mehrere Rentiersammelkreise. Martin erklärt, dass hier im Herbst alle Rentiere aus dem Sarekgebiet zusammengetrieben werden. Das klingt für mich spannend und sofort wünsche ich mir bei sowas mal dabei zu sein. Dieses Urfolk dabei zu beobachten. Der Zusatz von Martin, dass dann auch das grosse Schlachten hier stattfindet, möchte ich jedoch unter keinen Umständen sehen. Auf die andere Seite erblicke ich das wunderbare Flussdelta. Hier könnte ich ewig stehen und einfach die Natur beobachten.

Und gerade auf den letzten Metern fällt mir auf, dass ich heute seit langer Zeit trockne Füsse habe. Das sind wir uns kaum mehr gewohnt.


Je näher wir der Hütte kommen, umso mehr Leute sind da. Überall sind Zelte aufgestellt. Bei der Låddejåhkå Fjällstuga ist dies dann ganz extrem. Kaum haben wir unsere Rucksäcke abgestellt, scheinen Wanderer aus allen Richtungen anzukommen. Zum Glück waren wir vorher schon da, so sind wir unseren Schlafplätzen sicher.

In der Gemeinschaftsküche am Abend dann merken wir, dass wir uns so viele und vor allem laute Leute nicht mehr gewohnt sind. Schnell ist es uns nicht mehr wohl und am liebsten hätten wir es, wenn wir alleine wären um mehr Ruhe und weniger Gewusel um uns zu haben.


Heute haben wir 26 Kilometer mit 800 Höhenmeter bewältigt.

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